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Vom Klinkenputzen bis zum Schlange stehen

Die Arbeit der Netzwerkstelle "Schulerfolg sichern" in Wittenberg

Von Bianca Kahl

Kindergartenkinder können es oft gar nicht erwarten, in die Schule zu kommen. Am Tag des Schulanfangs feiern viele ein Fest: strahlende Gesichter und eine große Zuckertüte voller Süßigkeiten. "Ich frage mich immer, wo geht diese Freude dann hin?", sagt Jutta Schamberger. Sie arbeitet für die Netzwerkstelle "Schulerfolg sichern" in Wittenberg. Schulbummelei und Lernschwierigkeiten sind zwei von vielen Themen, mit denen sich Jutta Schamberger mit ihren Kolleginnen Lena Stepper und Marina Mészáros tagtäglich befasst. "Solch eine komplexe Aufgabe wie Schulsozialarbeit braucht unbedingt eine Koordinierungsstelle, die alle Partner miteinander vernetzt und die vielen Themen strukturiert", erklärt sie. Aus diesem Grund gehören zum Landesprogramm "Schulerfolg sichern" neben den 400 Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern an allen Schulformen auch eine zentrale Koordinierungsstelle und 14 regionale Netzwerkstellen. Das Büro von Jutta Schamberger und ihren Kolleginnen ist eine davon. Es befindet sich im Gebäude der Kreisverwaltung Wittenberg.

Schulabbrüchen vorbeugen

"Im Gespräch bleiben!" - Das könnte am Eingangsschild zum Büro stehen. Diesem Motto folgend klingelt permanent das Telefon. Die Netzwerkstelle ist das Verbindungsglied zwischen Schulen, Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, Jugendhilfe und Kreisverwaltung. Über eine Steuergruppe und andere Arbeitskreise wirkt sie sogar an der Lokalpolitik mit. Jede Netzwerkstelle konzentriert sich auf einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Das Büro in Wittenberg gründete sich vor neun Jahren mit dem vorrangigen Ziel, die Quote der Schulabbrüche zu senken. Diese ist in Sachsen-Anhalt mit zuletzt 9,2 Prozent nämlich besonders hoch.

Von Anfang an betreute die Netzwerkstelle die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter in der Region. Diese waren damals ebenfalls noch neu auf dem Spielfeld und hatten deshalb ganz schön zu kämpfen, erinnert sich Jutta Schamberger. Lehrerinnen und Lehrer reagierten misstrauisch auf die unverhoffte Unterstützung. Die Schulleitung zeigte sich unbeholfen, welche Aufgaben "die Neuen" übernehmen können oder nicht. Und an Elternsprechtagen wunderten sich die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, warum alle Familien ungeachtet an ihrem Büro vorrübergingen. Die Hilfe wurde auch damals dringend in den Schulen benötigt, doch die Zusammenarbeit musste sich erst noch einspielen. Jutta Schamberger beriet, vermittelte, besänftigte auch mal und putzte viele Klinken.

 

 

Eltern stehen heute Schlange

Heute sieht die Situation ganz anders aus. Die Eltern stehen Schlange, die Lehrkräfte schätzen die Unterstützung durch die Sozialarbeit und die Schulleitung kann und will die zusätzlichen Angebote im Alltag gar nicht mehr missen. Die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter bemühen sich um die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, arbeiten mit den Klassen, um Gewalt vorzubeugen und helfen beim Zurechtfinden nach Schulwechseln. Sie laufen den Schulbummelanten nach und hören sich ihre Probleme an, helfen Kindern mit Lernschwierigkeiten und überlegen, wie Unterricht mehr Spaß machen könnte. Sie machen alles, wozu die Lehrerinnen und Lehrer überhaupt keine Zeit haben.

Im Hintergrund aber wirkt die Netzwerkstelle, die alle Enden der breiten Arbeitspalette zusammenbringt. Sie wird aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert - allein von 2015 bis 2018 mit rund 590.000 Euro. Dass sich die Wittenberger Stelle in öffentlicher Trägerschaft befindet, ist ungewöhnlich. "Auf diese Weise sind wir wie die neutrale Mitte zwischen allen Partnern", findet Lena Stepper. Denn die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, die die Netzwerkstelle begleitet, sind bei vier verschiedenen sozialen Trägern angestellt. Zudem kommen viele verschiedene Themen auf den Tisch, zu denen sich die Fachleute austauschen müssen: Seien es der Umgang mit Eltern oder die Ideen Ferienwerkstätten für Kinder mit Lernproblemen zu gestalten. Bei letzterem suchen alle Beteiligten nach Möglichkeiten, wie Schule wieder Spaß machen könnte.

 

2000 Euro pro Schuljahr zusätzlich

Lena Stepper ist für die sogenannten bildungsbezogenen Angebote verantwortlich. Bis zu 2000 Euro pro Schuljahr kann eine Schule bei ihr als Unterstützung beantragen. Gefördert werden zum Beispiel Projekte, die Gewalt und Mobbing vorbeugen oder einfach der gesundheitlichen Aufklärung dienen. Dazu kommt Lena Stepper vor Ort und berät die Schulen, und sucht bei Bedarf auch Partner aus der Wirtschaft. Zum Thema Schulpflichtverletzung hat die Netzwerkstelle einen Runden Tisch organisiert. Dieser erarbeitete nicht nur einen Leitfaden als Orientierung für das Umfeld: Wie gehe ich mit Kindern um, die immer wieder unentschuldigt fehlen? Der Runde Tisch stieß auch die Gründung einer speziellen Beratungsstelle an. Auf diese Weise soll auch dem Problem der vielen Schulabbrüche im Land begegnet werden. Können die Wittenberger da schon erste Erfolge verzeichnen? "Wir sind nicht die Feuerwehr. Man drückt nicht auf einen Knopf und dann ist alles gut", sagt dazu Jutta Schamberger. Es liegt also noch viel Arbeit vor dem Team der Netzwerkstelle.

 

www.schulerfolg-sichern.de