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Start für den Stadtfuchs

Die Urwahn-Bikes profitieren von der EFRE- und ESF-Förderung

(Von Walter Liedtke, 18.04.2019)

Ein urbanes Fahrrad, das sich durch eine neuartige Baustruktur mit hohen Fahrkomfort auszeichnet und sich ideal für den Einsatz im Stadtverkehr eignet – diese Vision haben Sebastian Meinecke und sein Kollege Ramon Thomas verwirklicht, die beiden Gründer des Magdeburger Start-Ups Urwahn Engineering GmbH. Im Mai 2019 wird die erste Serie des von ihnen entwickelten Fahrradtyps „Stadtfuchs“ ausgeliefert. „Wir werden sehr realistisch erst einmal etwa 80 Fahrräder produzieren“, sagt Urwahn-Gründer Sebastian Meinecke, „denn wir wollen noch flexibel auf etwaiges Feedback unserer Kunden reagieren können.“ Durch die regionale Verankerung der Produktion können sie individuell auf den Kunden eingehen und lassen die Einzelteile der Räder von verschiedenen Industriepartnern extern anfertigen. Deren Standorte sind von Magdeburg aus alle in zwei bis drei Stunden erreichbar. So können Meinecke und Kollegen überall schnell vor Ort sein. Noch ohne auf dem Markt gewesen zu sein, befinden sich ihre Fahrräder bereits in der fünften Entwicklungsgeneration: „Wir haben sehr viel entwickelt und getestet, um alles gut abzusichern“, berichtet Meinecke.

Idee an der Universität Magdeburg entwickelt
Fünf Jahre hat sich die Gründungs- und Entwicklungsphase hingezogen. Das war eine extrem spannende Zeit für die Gründer, die aus dem Bereich des Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Integrated Design Engineering und der Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship kommen: „Für die Konstruktion der Fahrräder haben wir uns intensiv mit den unterschiedlichen Körperbauproportionen von Männern und Frauen auseinandergesetzt,“ erläutert der Fahrrad-Enthusiast. Meinecke setzte sich schon als Student der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg akribisch mit der technischen Konstruktion von Fahrrädern auseinander und machte dies auch zum Thema seiner Masterarbeit. Etwas ganz Besonderes ist schon die Rahmenform: Bei Urwahn hat man sich vom traditionellen Trapezrahmen verabschiedet und das Trapez nach hinten geöffnet. Dank der speziellen Aufhängung des Hinterrades werden die Stöße kompensiert, die im Stadtverkehr von unten kommen. Das Lichtsystem ist komplett in den Rahmen integriert.

 

 

Starke Hilfe durch EU-Förderung
Sebastian Meinecke hat von Anfang an konsequent auf die Start-Up-Förderung des Landes Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union gesetzt. Durch eine ego.-Gründungstransfer-Förderung bekam er 2015 die Möglichkeit, seine Konstruktionsidee weiterzuentwickeln. „Unsere Entwicklungen konnten wir komplett im Rahmen der Infrastruktur der Uni Magdeburg durchführen“, erinnert sich Meinecke. Beim Abschluss dieser Phase hatten sie einen ersten Serienstandard für ihre Fahrräder erreicht. Nun ging es darum, das Unternehmen als Spin-Off der Universität Magdeburg erfolgreich an den Markt zu bringen. Die zwei jungen Gründer stießen auf den deutschen Venture-Capital-Geber bmp Ventures AG: „Sie sahen in unseren Ideen ein sehr hohes Innovationspotential, sodass wir der erste Teilnehmer des Start-Up Gladiator-Programms wurden.“ Das Geld für dieses Programm stellt der IBG Risikokapitalfonds III des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung, in den Fördermittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) einfließen. Die Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung und Innovation ist eine der Prioritäten des EFRE-Programms für die Jahre 2014-2020 in Sachsen-Anhalt.

 

 


Von der Unternehmensgründung zur Serienreife
Am 18. Dezember 2017 konnte das Unternehmen Urwahn Engineering GmbH gegründet werden. „Dann sind wir auf das Programm ego.-START aufmerksam geworden", erklärt Meinecke. Bis Ende März 2019 wurden die Gehälter von Meinecke und seinem Geschäftspartner Ramon Thomas komplett aus diesem Fördertopf finanziert. Die Fördergelder fließen jedoch nicht von alleine. Voraussetzung sind ein solider Business- und Finanzplan. Auch das technische Know-how der Gründer überzeugte die Geldgeber. Im nächsten Schritt mussten Beschäftigte gefunden und finanziert werden: „Da haben wir von dem ESF-finanzierten Innovationsassistenten erfahren“, berichtet Meinecke. Dabei übernimmt der ESF für zwei Jahre die Hälfte der Personalkosten. Aktuell arbeiten zwei Innovationsassistenten bei Urwahn. Der eine kümmert sich als Produktionsmanager um das Anlaufen der Produktion sowie die Qualitätssicherung und das Qualitätsmanagement. Der andere ist der Mann fürs Kreative: Seine Aufgabe sind das Erstellen eines Corporate Designs sowie die Produktentwicklung selbst.

Nun kann es losgehen
Doch nicht alle Gründerträume werden wahr, das mussten Sebastian Meinecke und seine Kollegen auch feststellen: Ihre Idee, über Crowdfunding Geld von Privatpersonen für Urwahn einzusammeln, führte nicht zum Erfolg. Und durch Produktionsverzögerungen bei einem wichtigen Lieferanten mussten sie den Start der Serienproduktion immer wieder um Monate nach hinten verschieben. Knapp dreißig Vorbestellungen für ihre Räder liegen in Magdeburg bereits vor. Die Kunden werden sich bald über ihre schicken und individuellen Fahrräder freuen dürfen, meint ein zuversichtlicher Sebastian Meinecke: „Wir stehen kurz vor dem Auslieferungstermin, der spätestens im Mai 2019 sein wird.“

Hier finden Sie weitere interessante Beispiele, wie die Menschen von EU-Fördermitteln aus ELER, EFRE und ESF in Sachsen-Anhalt nachhaltig profitieren

Weitere Quellen:

Übersicht in der Förderdatenbank

Portal „Europa vor Ort in Sachsen-Anhalt“ der Europäischen Kommission