Domschatz Halberstadt und Heineanum - Stoffe mittelalterlicher Vogelwelten
Faszinierende Begegnung von Kunst und Natur: Vortrag stellt Sonderausstellung „Stoffe mittelalterlicher Vogelwelten“ vor
Eine außergewöhnliche Ausstellung, die mittelalterliche Kunst mit moderner Vogelkunde verbindet, stand im Mittelpunkt einer musikalisch untersetzten Vortragsveranstaltung am 30. Juni im Bouche à Oreille. Unter dem Titel „Stoffe mittelalterlicher Vogelwelten“ wurde den etwa 80 Gästen in Brüssel die besondere Kooperation zwischen dem Halberstädter Domschatz und dem Heineanum vorgestellt.
Der Halberstädter Domschatz zählt mit seinen einzigartigen liturgischen Gegenständen, kostbaren Textilien, Skulpturen und Handschriften zu den bedeutendsten Kirchenschätzen Europas. Mit mehr als 1.250 Kunstwerken bildet er das größte Ensemble mittelalterlicher Sakralkunst außerhalb des Vatikans. Sein Erhalt und seine Pflege stellen eine dauerhafte Aufgabe dar, der sich das Land Sachsen-Anhalt und die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt seit vielen Jahren engagiert widmen.
Die Ausstellung gewinnt ihren besonderen Reiz durch die Zusammenarbeit mit dem Heineanum, dessen renommierte vogelkundliche Sammlung den idealen Gegenpart zu den mittelalterlichen Bild- und Textilwelten bildet. Die von Ferdinand Heine und seinem Sohn aufgebaute Sammlung dokumentiert mehr als die Hälfte der heute bekannten rund 9.000 Vogelarten weltweit. Bereits im 19. Jahrhundert galt sie als die größte private Vogelsammlung Europas.
Die Verbindung der beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Museen ergibt sich aus einem gemeinsamen Thema: den zahlreichen Vogeldarstellungen in den mittelalterlichen Textilien und Kunstwerken. Sie bilden die Brücke zwischen kunsthistorischer und naturwissenschaftlicher Betrachtung und eröffnen Besucherinnen und Besuchern einen neuen Blick auf die Symbolik und Vielfalt der Vogelwelt im Mittelalter.
Die Veranstaltung verband auf eindrucksvolle Weise Kunstgeschichte, Naturwissenschaft und Musik. Im Wechsel erläuterte Museumsdirektorin Frau Dr. Bergemann die Vogeldarstellungen auf geistlichen Gewändern, gestickten Altartüchern und gewirkten Bildteppichen aus dem Bestand des Halberstädter Domschatzes. Herr Becker vom Heineanum ergänzte diese Ausführungen mit wissenswerten vogelkundlichen Informationen zu den auf den Textilien dargestellten Vogelarten. Musikalisch wurde der Vortrag durch Liedinterpretationen der Sopranistin Jessey-Joy Spronk bereichert, die vom Intendanten und Generalmusikdirektor des Harztheaters Johannes Rieger am Flügel begleitet wurde.
Die Veranstaltung bot spannende Einblicke in die Konzeption der Ausstellung und die Hintergründe dieser außergewöhnlichen Kooperation. Zugleich machte sie Lust auf einen Besuch in Halberstadt. Dank gilt der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und dem Domschatz Halberstadt, dem Museum für Vogelkunde Heineanum sowie dem Harztheater für diesen gelungenen Abend. diwe

