Im Hühnermobil zu Hause

Die Erfolgsgeschichte eines jungen Bauern und seiner zufriedenen Hennen

(von Bianca Kahl)

Es ist ein Holzschild, ein Pfeil mit der Aufschrift „Täglich frische Eier“, das den Weg weist. Auf einem Bauernhof im kleinen Dorf Nonnewitz bei Zeitz steht Philipp Zimmermann und lächelt. Erst seit Juli ist er der Herr auf diesem Hof. Der 24-Jährige hat den ganzen Tag über viel zu tun, doch gestresst wirkt er nicht. Er ist ein Überzeugungstäter. Ein Bauer, der den Namen „Jungunternehmer“ verdient.

Jungbauer Philipp Zimmermann sortiert die Eier, die frisch gelegt worden sind. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Bereits als Teenager interessierte er sich für die Landwirtschaft, wollte draußen an der frischen Luft sein. Ihm zuliebe übernahmen seine Eltern vor etwa 13 Jahren den alten Bauernhof der Großeltern, modernisierten ihn grundlegend und belebten ihn wieder, indem sie zunächst mit Ackerbau begannen. Vor einigen Jahren kam der junge Mann dann auf die Idee, Eier aus Freilandhaltung zu produzieren.

„Das ist eine Marktlücke hier in der Region“, sagt er. „Es gibt eigentlich nur Eier aus großen, industriellen Anlagen. Doch immer mehr Leute wollen wissen, wo ihr Essen herkommt.“ Er erzählt, wie sehr es seine Kundinnen und Kunden schätzen, nur um die Ecke die Straße hinunter gehen zu können und dort mit eigenen Augen zu sehen, wie es seinen Hühnern geht. Sie leben auf einer großen Wiese, eingeschränkt nur von einem elektrischen Zaun, und wirken genauso entspannt wie ihr Halter. Überall gluckst und scharrt es. Die Hennen, die keine Lust auf Sonne haben, verkriechen sich im Inneren von zwei Hühnermobilen.

Dieses Hühnermobil in Nonnewitz ist das Zuhause von etwa 250 Hennen. Sie können sich frei auf der Wiese bewegen. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Das erste Hühnermobil hat Philipps Vater Christian Zimmermann bereits im Jahr 2012 angeschafft. Es gleicht einem Campingwagen, den man ans Auto anhängen kann. Bewegt wird es alle paar Wochen, wenn die Hühner das Gras weggescharrt haben und frisches Grün brauchen. Das alte Wiesenstück kann sich dann erholen.

Philipp Zimmermann zeigt stolz, wie alles funktioniert. Morgens öffnet sich automatisch eine Auslaufklappe, sodass sich die rund 250 Hühner frei bewegen können. Viele von ihnen tapsen draußen auf der Wiese umher und rennen direkt auf ihn zu, als er kommt. Die Hühnerdamen scharen sich um ihn. Dabei hat er gar keinen Weizen dabei. Den gibt es heute nur in den Silos im Inneren des Mobils, der „Wohnstube“ der Hennen.

Auch die Mehrzweckhalle auf dem Hof der Familie Zimmermann wurde mit Mitteln aus dem ELER gefördert. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Der Jungbauer öffnet eine weitere Klappe, sodass er zwei Hühner in ihren Nestern „erwischt“. Zwei Mal am Tag „nimmt man hier Eier ab“, wie es Zimmermann ausdrückt. Insgesamt kommt die Familie auf etwa 1300 Eier täglich, denn das Sprichwort stimmt: Jedes Huhn legt am Tag ein Ei – und die Nonnewitzer besitzen mittlerweile viel mehr Geflügel als die 250 Hühner, die in diesem ersten Mobil zu Hause sind. Es ist eine Erfolgsgeschichte.

Philipp Zimmermann erinnert sich an den Anfang. Er hatte bereits seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen und studierte Betriebswirtschaftslehre, als sein Vater im Nebenerwerb die Grundlagen legte für eine funktionierende Landwirtschaft. Der Senior kaufte für insgesamt 150.000 Euro das erste Hühnermobil und errichtete auf dem Hof eine neue Mehrzweckhalle. Dort lagern Getreide, Heu und Geräte. Unterstützung fand er dabei aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Aus dem ELER flossen rund 34.000 Euro.

Die Eier von der grünen Wiese kamen so gut an, dass die Familie Zimmermann im ehemaligen Pferdestall auf dem Hof Platz schufen für 400 weitere Hühner. Später kam noch ein zweites, größeres Hühnermobil dazu, in dem rund 700 Hennen zu Hause sind. Es steht nur 50 Meter vom ersten entfernt. Der Junior geht hinüber und steigt die paar Stufen der Metalltreppe zur Eingangstür hoch. Unter der Treppe sitzt ein Huhn. „Ja, es büxt immer mal eins aus“, sagt der Landwirt. „Das hier zieht sich immer da unten hin zurück, um sein Ei zu legen.“

Ein Förderband bringt zutage, was Zimmermanns viele Mitarbeiterinnen heute schon geschafft haben. Er sortiert die Eier in die Pappformen. Sie sind auffällig groß. „Hühner legen unterschiedlich große Eier, je nachdem, wie alt sie sind“, erklärt er. „Doch unsere sind irgendwie immer recht groß. Wahrscheinlich, weil es denen so gut geht“, sagt er und strahlt. Mittwochs und freitags verkauft seine Mutter die Eier auf dem Zeitzer Wochenmarkt. Doch am schönsten dürfte es sein, das Frühstücksei direkt bei ihm im Hofladen zu kaufen – inklusive freundlichen Händedrucks und einem Besuch bei den zufriedenen Legehennen auf der grünen Wiese.

www.huehnerhof-zimmermann.de