Es lohnt sich, in der Region zu bleiben!

Margita Müller und Dr. Sylvia Springer vom TUGZ mit Studentin Julia Schult
Der Transfergutschein verschafft Studierenden den Einstieg für eine spannende berufliche Perspektive: Margita Müller und Dr. Sylvia Springer vom TUGZ mit Studentin Julia Schult (Mitte).

ESF-Transfergutscheine an der Universität Magdeburg

(Walter Liedtke, 20.11.2018)

Wer in Sachsen-Anhalt studiert, bleibt nach Ende des Studiums viel zu selten dort. Viele Studierende, die aus der Region stammen, träumen von einer Karriere in den westlichen Bundesländern, etwa in München. Studierende, die aus den westlichen Bundesländern kommen, gehen nach Ende ihres Studiums oft wieder in ihre Heimat zurück. Die Folge: In Sachsen-Anhalt fehlen gut qualifizierte Akademiker. Das hatte die ehemalige Wirtschafts- und Wissenschaftsministerin des Landes Sachsen-Anhalt, Brigitta Wolf, erkannt. Von ihr stammt die Idee zum Projekt „Transfergutschein“. Die Universität Magdeburg ist eine der Hochschulen des Landes, die Studierende mit Hilfe des Transfergutscheins in Unternehmen der Region vermittelt. Sie absolvieren dort ein studienbegleitendes Praktikum oder arbeiten als Werksstudenten an ihrer Bachelor- oder Masterarbeit. Zusätzlich zum Lohn, den ihnen der Betrieb zahlt, erhalten die Studierenden eine Prämie von 400 Euro. Sie hilft ihnen etwa dabei, die zusätzlichen Fahrtkosten während der Praktika zu decken. Seit dem Jahr 2017 wird der „Transfergutschein“ zu mehr als 80 Prozent vom Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Denn die Qualität und Effizienz von Hochschulen zu verbessern und die Zahl der Abschlussquoten zu steigern, ist eine der Prioritäten des ESF für das Land Sachsen-Anhalt.

Margita Müller berät die Studierenden
Margita Müller berät die Studierenden der Universität Magdeburg zu allen Fragen des Transfergutscheins.


ESF-Fördermittel bringen Studierende in Unternehmen
Dr. Sylvia Springer ist im Transfer- und Gründerzentrum (TUGZ) der Universität Magdeburg zuständig für die Themen Unternehmenskontakte und Transfer. Gemeinsam mit ihrem Team wirbt sie unter dem Motto „Kontakte knüpfen – Wissen anwenden – 400 € Prämie kassieren“ an der Universität ganz offensiv um Studierende: „Wir sprechen sie bei verschiedenen Aktionen hier auf dem Campus an, etwa mit Infoständen vor der Mensa. Wir informieren die Studierenden aber auch in den Hörsälen“, meint die Projektleiterin. Auf der Website des TUGZ werden die Studierenden ebenfalls zur Teilnahme ermuntert. Mit ihrem hochschulinternen Marketing erreichte die Universität auch die Maschinenbaustudentin Julia Schult: „Wir hatten im Rahmen einer großen Projektarbeit im fünften Semester Dozenten, die uns extra auf die Möglichkeit des Transfergutscheins hingewiesen haben.“ Julia Schult hatte als Studienschwerpunkt die Produktentwicklung gewählt. Sie ging zur Firma Novelis Deutschland nach Nachterstedt im nördlichen Harzvorland. Der weltweite Marktführer in den Bereichen Aluminiumwalzprodukte und Getränkedosenrecycling betreibt hier ein Recyclingwerk und ein Walzwerk mit ca. 1200 Beschäftigten. Julia Schult arbeitete in der Konstruktionsabteilung des Walzwerks – zuerst im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums und daran anschließend verfasste sie im Unternehmen ihre Bachelorarbeit. Sie hat also gleich doppelt vom Transfergutschein profitiert.
Für die Projektumsetzung hatte sie zwei Ansprechpartner, die sie bei der Realisierung unterstützten: Ihren Professor von der Uni Magdeburg sowie einen Betreuer im Unternehmen. Nach einer Kennenlern- und Einarbeitungsphase wurde sie schnell in die Unternehmensabläufe eingebunden: „Schon im Vorstellungsgespräch wurde mir ein Projekt angeboten, dass ich eigenständig bearbeiten sollte. Bereits im Praktikum habe ich viel mit CAD-Programmen an technischen Zeichnungen für die Konstruktion eines Düsenstrangs mitgearbeitet. Der Strang wurde noch während meiner Zeit bei Novelis gefertigt und in eine Maschine integriert.“ Bei Novelis fühlt Schult sich gefordert. Und sie hat gute Arbeit geleistet, denn das Unternehmen bot ihr schon während des Praktikums an, ihre Bachelorarbeit vor Ort zu verfassen.


Netzwerkarbeit auch bei Unternehmen
So wie Julia Schult ist es auch zahlreichen anderen Studierenden der Universität Magdeburg ergangen: „Für mich ist der Transfergutschein ein Förderprojekt, das voll die Zielstellung erreicht hat,“ ist Sylvia Springer überzeugt: „Die Studierenden lernen die Unternehmen kennen. Sehr viele von ihnen fangen nach ihrem Transfergutscheinprojekt und nach Abschluss ihres Studiums als Absolventen in diesem Unternehmen an. Somit ist genau das passiert, was beabsichtigt ist: Wir halten die Leute hier in der Region.“
Damit dies gelingt, müssen nicht nur die Studierenden und Lehrkräfte der Universität Magdeburg mitziehen. Wichtige Partner sind auch die Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Einerseits verfügt die Universität über bestehende Forschungskontakte, aber das Transfer- und Gründungszentrum (TUGZ) betreibt auch Kaltakquise: „Wir rufen Unternehmen an, die wir für interessant halten, und werben für den Einsatz von Praktikantinnen oder Werksstudenten der Universität Magdeburg mit Hilfe des Transfergutscheins.“

Das Foto zeigt Julia Schult in einem Gespräch.
Julia Schult hat im Lauf ihres Maschinenbaustudiums in Magdeburg gleich zwei Mal vom Transfergutschein profitiert.

Förderschwerpunkt Maschinenbau und Verfahrenstechnik
Die meisten Studierenden, die diesen Gutschein nutzen, kommen aus den Studiengängen Maschinenbau und Verfahrenstechnik. Nach Einschätzung von Sylvia Springer gelangen Studierende aus IT-Berufen auf anderen Wegen in gute Jobs. Bei den Geisteswissenschaftlern sei es schwieriger, sie in soziale Einrichtungen oder Schulen zu vermitteln, in denen sie ihr Wissen einbringen können. Der größte Teil der Transfergutscheine wird für Bachelor- oder Masterarbeiten vergeben. Besonders bei praxisorientierten Studiengängen wie dem Maschinenbau entsteht dadurch eine klassische Win-Win-Situation, erläutert die Expertin: „Am Ende haben beide Seiten etwas davon: Die Studierenden haben eine spannende berufliche Perspektive und die Unternehmen ziehen sich ihren akademischen Nachwuchs selbst heran.“

 

 

Qualität geht vor Quantität
In den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 hat das TUGZ etwa 60 Transfergutscheine ausgegeben. Diese Zahl könnte noch höher liegen, aber Sylvia Springer und ihre Mitarbeiterin Margita Müller knüpfen strenge Kriterien an die Vergabe eines Gutscheins: „Wir schauen, ob es wirklich regionale Unternehmen sind und ob wirklich ein Wissenstransfer stattfindet.“ Bei ihnen geht Qualität vor Quantität. „Wir sind sehr kritisch in unserer Auswahl. Denn wir wollen, dass auch wirklich die Ziele des Projekts erreicht werden.“ Damit immer mehr Studierende am Ende ihres Studiums sagen: Es lohnt sich, in Sachsen-Anhalt zu bleiben!

Hier finden Sie weitere interessante Beispiele, wie die Menschen von EU-Fördermitteln aus ELER, EFRE und ESF in Sachsen-Anhalt nachhaltig profitieren.


Weitere Quellen:
Das TUGZ im Internet: http://www.tugz.ovgu.de
Basisinformationen zum Transfergutscheinprogramm: https://www.ovgu.de/Transfergutschein.html