Da kann man nicht meckern

Auf dem Schäferhof Langenstein gibt es eine Festscheune für Großveranstaltungen.

(von Bianca Kahl)

Es begann mit einem Jubiläum: 2006 drohte die lang geplante 850-Jahr-Feier des kleinen Ortes Langenstein im Harz buchstäblich ins Wasser zu fallen, denn starker Regen war angesagt. Die Suche nach einem größeren Saal für den Festakt blieb erfolglos. „Bei 100 Personen ist in der Regel Schluss“, sagt Holger Werkmeister und schaltet das Licht im ehemaligen Schafstall an. Heute ist die Scheune ein Festsaal für Großveranstaltungen, doch hat sie ihr rustikales Ambiente nicht verloren. Alte Sandsteinmauern und verwitterte Holzbalken erzählen von ihrer Geschichte. Sogar in den modernen Toilettenräumen ist das historische Gebälk zu sehen. „Diesen Saal kann man für bis zu 350 Gäste bestuhlen“, erklärt Werkmeister. Hinzu kommen eine Bühne, ein kleinerer Bereich, der für den Empfang oder als Standort für ein Buffet dienen kann, sowie die Bar „Merinos“ mit Bistrotischen für bis zu 80 Personen. Da kann man nicht meckern.

 

 

Das Bild zeigt einen großen Veranstaltungsaal. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Das hat in der Region bis vor kurzem gefehlt: Ein großer Veranstaltungssaal für mehrere Hundert Besucher. Der alte Stall des Schäferhofes Langenstein macht‘s möglich. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Schafe sind das eigentliche Betätigungsfeld des Merino e. V. Der Verein, für den Holger Werkmeister den stellvertretenden Vorsitz übernommen hat, hält sich eine Herde mit fast 1000 Tieren, mit deren Hilfe er die Kulturlandschaft Harz und Harzvorland pflegt und somit erhält. Der alte denkmalgeschützte Langensteiner Schäferhof aus dem Jahr 1823 befindet sich ebenfalls im Besitz des Vereins. Die rund 50 Mitglieder wollen den schönen Vierseithof pflegen und erhalten. Seit 1995 sind dort ein Landhotel mit Restaurant entstanden, außerdem ein Hofladen mit regionalen Produkten und natürlich der Freisitz im urigen Innenhof – inklusive Lehmbackofen und ein paar Schafen zum Anfassen.

Das Gebäude des Schafstalls war hüfthoch mit Mist gefüllt, als sich die engagierten Mitglieder dort 2006 an die Arbeit machten. „Ausmisten“ im wahrsten Sinne des Wortes – das war als erstes angesagt. Doch dann ist es erst mal ruhiger geblieben im Stall. 

„2013 haben wir schließlich unseren Antrag abgegeben. Aber wir landeten auf dem letzten Platz in der Zuwendungsliste, weil uns einfach keiner mehr zugetraut hat, dass wir das wirklich noch durchziehen“, erinnert sich Holger Werkmeister und muss lächeln. „Sogar beim Minister haben wir dann vorgesprochen, um für unser Vorhaben zu werben.“ Ein neues Dach, Fenster, Türen, Tore und die Renovierung des Fußbodens standen auf dem Plan. Auf dem Vereinskonto lagen 65.000 Euro Eigenmittel, die größtenteils kurzfristig über Spenden eingesammelt worden sind. Beantragt hat der Verein Fördermittel in der Höhe von 195.000 Euro. Ein großer Teil davon kam aus dem ELER, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Auf dem Bild: Holger Werkmeister. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Holger Werkmeister zeigt stolz die eingerichteten Toiletten im Stall. Selbst sie profitieren vom einzigartigen Ambiente. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Letztlich bekamen die Merinos die Zusage und wurden zu einem der geförderten Projekte in der LEADER-Region Rund um den Huy. 2013 konnten sie damit beginnen, den alten Stall zu beräumen und zu entkernen. Doch das Gebäude war noch maroder als gedacht und die Merinos brachten unter anderem im Dachgebälk böse Überraschungen zutage. So gingen sie erneut mit dem Klingelbeutel rum, klopften bei Unternehmen in der Region an und fanden zum Glück weitere Unterstützung. Die meisten Renovierungsarbeiten setzten sie in Eigenleistung um. Am Ende mussten sie dennoch 340.000 Euro Gesamtkosten verzeichnen – 31.000 Euro mehr, als ursprünglich kalkuliert.

Holger Werkmeister setzt sich im „Merinos“, der kleinen Bar direkt neben der Küche, auf einen der Stühle und erzählt Geschichten aus der Zeit des Umbaus. Toll sei das gewesen, erinnert er sich, ein unbeschreibliches Gemeinschaftsgefühl. Jeden Abend nach der regulären Arbeit ging es auf die Baustelle, wo man auch immer zusammen zu Abend gegessen hat, am Sonnabend zudem Mittag. Urlaub wurde langfristig geplant und den Familien hoch und heilig versprochen.

„Das muss heute noch fallen“ ist einer von Werkmeisters typischen Sätzen, die aus diesen sieben Monaten Bauzeit in die gemeinsame Erinnerung eingingen. Ein Mal, als nicht genug Leute vor Ort waren, ist der 54-Jährige nach nebenan in den Festsaal des Landhotels gegangen, hat sich das Mikrofon geschnappt und einfach mitten in eine große Veranstaltung hineingerufen, dass er ein paar kräftige Männer brauche. Prompt folgten ein paar Herren in Schlips und Anzug seiner Bitte und gingen hinüber in die Scheune, um gemeinsam eine Wand aufzurichten. Ein anderes Mal kamen am Wochenende spontan die Nachbarn aus dem Dorf und fassten mit an. „Wir können nicht mit ansehen, wie ihr euch hier quält“, haben sie gesagt.

Das Bild zeigt einen gemütlichen Gastraum mit Tischen und Stühlen aus dunklem Holz. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Das Merinos ist ein abgetrennter, schicker Bar- und Bistrobereich innerhalb des alten Stallgebäudes. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Mittlerweile finden in der Scheune jedes Wochenende Veranstaltungen statt. Hochzeiten, runde Geburtstage, aber auch Betriebsfeiern. Hinzu kommen regelmäßige Märkte sowie andere öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen. Das Landhotel Schäferhof bietet mit 20 Doppelzimmern Übernachtungsmöglichkeiten direkt nebenan. Was als nächstes auf dem Plan steht, ist eine solide Heizungsanlage. Bisher kommt die Wärme aus Heizpilzen und im Winter kann es ziemlich ungemütlich werden.

„Ach ja, hier ist wirklich immer was zu tun. Jeden Tag könnte man hier arbeiten“, stöhnt Holger Werkmeister und betrachtet die Überdachung auf dem Innenhof, unter der drei Schafe ihr Heu fressen. Ein paar Ziegel sind eingebrochen. Die Schafe stört es nicht. Die Gäste, die im Innenhof ihr Mittagessen genießen, haben es auch nicht bemerkt. 

Das Bild zeigt ein Schaf vor einer mit Heu gefüllten Futterkrippe. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Ganz klar: Auf einem echten ehemaligen Schäferhof wollen die Besucher auch echte Schafe sehen.(Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Weitere Informationen erhalten Sie hier:
http://www.schaeferhof-langenstein.de/