Der Entertainer

Das Magdeburger Unternehmen MDDSL versorgt Sachsen-Anhalt mit Breitbandinternet

- Bianca Kahl -

Auf dem Foto sieht man ein weißes Gebäude mit roten Fensterrahmen und einem Schild mit der Aufschrift "MDSL". Vor dem Gebäude steht der Geschäftsführer. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Geschäftsführer Andreas Riedel in dem Gebäude, in dem seine beiden Unternehmen LTU und MDDSL untergebracht sind.(Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Etwa 5000 Kundinnen und Kunden hat das kleine Unternehmen MDDSL, Tendenz steigend. MDDSL steht für „Mitteldeutsche Gesellschaft für Kommunikation mbh“. Es bietet in weiten Teilen Sachsen-Anhalts schnelle Breitband-Internetzugänge an. Ein wichtiger Grundstein dafür wurde im Jahr 2012 gelegt, mit der Erschließung zweier Straßenzüge in Magdeburg-Sudenburg. Damals waren dem Platzhirsch Telekom angesichts fehlender Glasfaserkabel noch die Hände gebunden.
„Heute kann auch die Telekom in Sudenburg DSL-Anschlüsse anbieten. Dennoch gewinnen wir weiter an Kundinnen und Kunden“, freut sich der Geschäftsführer Andreas Riedel. Er ist ein Mann, der die Bühne liebt – in mehrererlei Hinsicht. Einst hat er selbst im Rampenlicht gestanden – als Moderator. Später setzte er andere in Szene. Heute „bespielt“ er eine ganze Region. Irgendetwas muss dieser Mann richtig machen.

Begonnen hat seine Erfolgsgeschichte bereits im Jahr 1991, als der Elektroingenieur das Unternehmen LTU gründete – eine Abkürzung für „Licht & Ton Union“. Mit seinem kleinen Magdeburger Team wirkte er unter anderem daran mit, das Sony Center in Berlin über Dachinstallationen zu illuminieren und das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach in Szene zu setzen. Die LTU stattete auch das Leipziger Einkaufscenter Nova Eventis mit Unterhaltungselektronik aus und digitalisierte 2003 die Tontechnik am Theater Magdeburg als eines der ersten in Deutschland. Insgesamt schaffte es das Magdeburger Unternehmen, sich als Ansprechpartner für Theater, Fußballstadien und andere öffentliche Versammlungsstätten zu etablieren.

Auf dem Foto sieht man eine Strase, inklusive parkenden Autos am Rand und einigen Wohnhäuser auf der rechten Seite. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Ein Straßenzug in Magdeburg-Sudenburg. 2012 brachte MDDSL das Breitbandinternet hier her. Aufgrund fehlender Glasfaserkabel sind die Haushalte abgeschnitten gewesen. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Doch was hat das alles mit schnellem Internet zu tun? Es war das ungewöhnliche Anliegen eines Theater-Intendanten, das Riedel auf ganz neue Wege führte: Der Auftraggeber wünschte sich ein Dutzend Überwachungskameras in einer Spielstätte und die dazugehörigen Bildschirme im 50 Kilometer entfernten Haupthaus. „Er wollte einfach immer wissen, was vor sich geht.“ Andreas Riedel muss lächeln, wenn er heute davon erzählt. Ein bisschen gewundert habe er sich damals schon, gibt er zu. Doch schließlich machte er sich mit seinen Leuten an die Arbeit. „Dann standen wir vor dem Problem, wie wir die Daten von einem Ort zum anderen bekommen“, sagt er.

Das Interesse der Magdeburger war geweckt und die Suche nach den besten und schnellsten Wegen für die Datenübertragung begann. Inzwischen, in Zeiten des Internets, heißt das Zauberwort Funk. „Das Signal kommt aus der Luft“, sagt Andreas Riedel.

2006 gründete er MDDSL, das sich seither im selben Gebäude wie das Schwesterunternehmen LTU befindet. Nach kleineren Projekten in Randgebieten Magdeburgs wollte Riedel 2012 endlich die großen Bühnen bespielen. Mit Unterstützung aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) baute MDDSL zunächst das Netz in zwei Straßenzügen in Magdeburg-Sudenburg aus und schloss das Gebiet an sein System an. Auf einzelnen Wohnhäusern hat das Unternehmen sogenannte Kopfstationen installiert. Von der Dachantenne wird das Signal über Kabel in den Keller geleitet und von dort unterirdisch an die anderen Haushalte verteilt. Auf diese Weise konnten rund 3500 Wohnungen an das schnelle Internet angeschlossen werden. Circa 500 Kunden hat MDDSL dort bis heute gewonnen.

Das Foto zeigt ein Satellitenbild. Darauf sind mehrere unterschiedlichfarbene Linien, Zahlen, Worte, Abkürzungen und Symbole.(Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Eine Grafik zeigt einen Teil des installierten Netzes von MDDSL in Magdeburg-Sudenburg. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Der große Startschuss im Jahr 2012 kostete das Unternehmen insgesamt 383.000 Euro, wovon knapp die Hälfte aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ gefördert worden ist. Allein 107.000 Euro flossen aus dem EFRE. „Ohne diese Förderung wären wir am Ende einfach nicht marktfähig gewesen. Wir hätten einen Kredit aufnehmen und einen viel höheren Endpreis für die Kunden ansetzen müssen“, denkt der Geschäftsführer laut nach. „Das hätte sich nicht rentiert.“

Auch zuvor konnte er von Förderungen profitieren. Sie ermöglichten ihm bereits zwei Projekte im Bereich „Forschung und Entwicklung“. Heute beschäftigt Riedel in seinen beiden Unternehmen insgesamt 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wovon 4 Auszubildende sind. MDDSL hat sich mittlerweile ein Wirkungsfeld von Barleben bis Schkopau erschlossen und von Burg bis an die Niedersächsische Grenze. Weitere Orte sind in Planung.

Die Stärke des Magdeburger DSL liegt im ländlichen Raum und der ist in Sachsen-Anhalt bekanntlich weit verbreitet. „Wir können dort versorgen, wo andere Anbieter nicht dazu in der Lage sind – wir sind von hier“, wirbt das Unternehmen für seinen Heimvorteil. Und es geht immer schneller voran: Die Datenmenge, die im Netz transportiert wird, hat sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt erhöht. Aktuell sind bis zu 100.000 Kilobit pro Sekunde möglich.

Kein Grund, sich auszuruhen, findet jedenfalls Andreas Riedel. Technisch knobelt der 52-Jährige mit seinen Leuten bereits an den nächsten Highlights. Doch auch im Hinblick auf die Akquise lassen sich die Magdeburger immer wieder etwas Neues einfallen. Unter anderem werden Kundinnen und Kunden für ihre Treue belohnt, indem alle zwei Jahre automatisch der Grundpreis sinkt. Neukunden spricht MDDSL über einfallsreiche Werbeaktionen an. Zum Beispiel wurde über mehrere Wochen „Lotto“ gespielt: Jeden Tag gab es einen anderen Anschlusspreis. Es bleibt abzuwarten, wofür sich Andreas Riedel seinen nächsten Applaus abholen will.

Weitere Informationen finden Sie hier:

www.mddsl.eu
www.l-t-u.de