Eine Stadt sucht neue Wege

Der Umbau der Torstraße in Halle (Saale) soll den Öffentlichen Nahverkehr stärken

- Bianca Kahl -

Halle an der Saale entwickelt sich. Die zentrale Lage, die aufstrebende Wissenschaft, eine einzigartige Kunst- und Kulturszene – die Händelstadt ist ein wichtiger Teil der aufstrebenden Metropolregion Mitteldeutschland. Umso wichtiger, dass auch die Infrastruktur stimmt. Mit dem Programm Stadtbahn Halle sollen die Weichen für den Öffentlichen Nahverkehr auf die Zukunft ausgerichtet werden.

Die Bahn soll zukünftig schneller und zuverlässiger sein und den Fahrgästen einen höheren Komfort bieten. Auch Barrierefreiheit und eine geringere Lärmbelastung sind wichtige Themen. Dafür investieren die Stadt Halle, die Stadtwerke Halle und die Hallesche Verkehrs-AG mehr als 1,5 Milliarden Euro und bauen gemeinsam wichtige Strecken und Knotenpunkte in der Stadt um. „Wenn wir Straßenbahnfahren so attraktiv machen, dass wir nur einige Fahrzeuge in der Stadt einsparen, haben wir schon gewonnen“, sagt Ingo Sterzing. Er ist der Verantwortliche für einige der vielen Baustellen in der Stadt, so auch für die Erneuerung der Torstraße.

Auf dem Foto sieht man eine Straße mit Straßenbahngleisen, einigen Autos und einem Fahrradfahrer. Links und rechts stehen Wohnhäuser. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Die Torstraße in Halle wurde komplett erneuert. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Das Programm „Stadtbahn“ startete im Frühjahr 2013 und die umfangreichen Arbeiten in der Torstraße waren Teil der ersten Bauphase, in der auch Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) verbaut worden sind. Von März bis November 2013 war die Straße für den Verkehr gesperrt.

„Wir haben bei Schneefall angefangen und sind bei Schneefall fertig geworden“, muss der Projektleiter im Nachhinein über die kleinen Widrigkeiten schmunzeln. Die Torstraße führt zum Rannischen Platz, einem wichtigen Knotenpunkt der Stadt, der im Anschluss aufwendig umgebaut wurde. Die Torstraße selbst war in einem baufälligen Zustand. „Sie war auch einfach zu eng, sodass es häufig zu Behinderungen kam“, erklärt Ingo Sterzing. Eine ungeordnete Aufteilung für Autos, Radfahrer und Straßenbahn sorgten wiederholt für gefährliche Situationen. „Unter anderem kam die Straßenbahn nicht an parkenden Autos vorbei und der Verkehr wurde zurückgestaut“.

Auf dem Foto sieht man eine Bushaltestelle, mit einem wartenden roten Bus, der Richtung Rannischer Platz fährt und Menschen, die dabei sind, in diesen einzusteigen. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
Die Neuerungen sind Teil des Investitionsprogramms „Stadtbahn“, mit dem der Öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht werden soll. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Jetzt ist die Straße so gestaltet, dass die Bahn zum Pulkführer wird. Das heißt, der Verkehr ist so geregelt, dass sich die Autos hinter ihr einordnen müssen. Für Radfahrerinnen und Radfahrer gibt es einen Schutzstreifen, gekennzeichnet durch eine gestrichelte Linie und Piktogramme für Fahrräder. Solche Schutzstreifen dürfen auch von den Autos zum Ausweichen vor dem Gegenverkehr befahren werden.
Auf einer Länge von 580 Metern zwischen Rannischem Platz und Böllberger Weg wurden auch die Gleisanlagen komplett erneuert. „Und wenn man einmal die Straße aufreißt und die Verkehrsbehinderung durch die Baustelle hat, macht es natürlich Sinn, gleich alles neu zu machen, was in nächster Zeit ansteht“, fügt der 48-Jährige an. Die drei Partner des Stadtbahn-Programmes machen es möglich.

Im Vordergrund des Fotos sieht man ein Haltestellenschild mit der Aufschrift Kurt-Tucholsky-Platz, kurz dahinter steht das Haltestellenhäuschen (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)
„Alles auf einen Streich“ heißt das Motto: Bei den Baumaßnahmen werden gleichzeitig Versorgungsleitungen und anderes saniert. (Foto: Ministerium der Finanzen LSA)

Auf der Liste standen Entwässerungsanlagen, Datenkabel, Beleuchtung, Strom- und Kommunikationsanlagen für die Bahn wie auch das Versorgungsnetz für Trinkwasser und Energie. Zudem wurden die Abwasserkanäle und teilweise auch die Gasleitungen saniert. Die Kosten dafür lagen bei 4,36 Millionen Euro. Davon flossen allein 2,38 Millionen Euro aus dem EFRE.

Über den EFRE können unter anderen Vorhaben unterstützt werden, die die Attraktivität der Städte stärken, Barrierefreiheit herstellen oder dazu beitragen, dass CO2-Emissionen reduziert werden. An der Torstraße wurden auch die Bordsteine stellenweise abgesenkt und die anliegende Haltestelle Kurt-Tucholsky-Straße wurde auf 45 Metern so umgestaltet, dass die Gäste bequem in Bus und Bahn einsteigen können. Es gibt nun ein Blindenleitsystem sowie akustische Informationen zum Bahnverkehr. Ein neuer Unterstand schützt die Wartenden bei schlechtem Wetter. „Je schneller und bequemer man mit der Bahn unterwegs ist, umso besser wird sie von den Leuten angenommen. Der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr wiederum sowie das geringere Verkehrsaufkommen bei den Autos nutzt  der ganzen Stadt und auch der Umwelt“, so Sterzing.

Weitere Informationen finden Sie hier:
www.havag.com